Feta oder Kasseri?

Essen & lokale Spezialitäten

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June 24, 2026

Vor dem Kühlregal steht ein Käseliebhaber und weiß nicht, welchen Käse er heute kaufen soll. Die Auswahl ist groß, doch er möchte sich für eine griechische Spezialität entscheiden. Kürzlich hat er gelesen, dass die Griechen Weltmeister im Käsekonsum sind und gleich nach Frankreich die meisten Käsesorten mit geschützter Ursprungsbezeichnung besitzen.

Im Regal entdeckt er jedoch nur zwei griechische Käsesorten: Feta und Kasseri.

Er überlegt einen Moment und beginnt schließlich ein Gespräch mit den beiden.

„Na, welchen von euch soll ich nehmen? Seid ihr überhaupt beide echte Griechen?“

FETA: Ich bin der Käse Griechenlands – daran gibt es keinen Zweifel. Auf fast jedem griechischen Esstisch stehe ich ganz selbstverständlich. Und wenn jemand im Ausland an griechischen Käse denkt, denkt er zuerst an mich.

Zugegeben, mein Erfolg hatte auch seine Schattenseiten. Jahrelang wurde ich überall nachgeahmt. Doch inzwischen schützt mich die Europäische Union: Nur Käse aus Griechenland darf den Namen Feta tragen.

KASSERI: Na ja, im Ausland bin ich zwar noch nicht so bekannt wie mein Kollege, aber in Griechenland bin ich die klare Nummer zwei. Auch ich trage eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Das bedeutet: Wenn auf der Verpackung „Kasseri“ steht, kannst du sicher sein, dass ich aus Griechenland komme.

„Aus welcher Milch werdet ihr hergestellt?“

FETA: Entweder ausschließlich aus Schafsmilch oder aus einer Mischung von mindestens 70 % Schafsmilch und bis zu 30 % Ziegenmilch.

KASSERI: Bei mir ist es ähnlich. Auch ich werde hauptsächlich aus Schafsmilch hergestellt, der bis zu 20 % Ziegenmilch beigemischt werden dürfen.

„Zu welcher Käsesorte gehört ihr?“

FETA: Ich bin ein ganz besonderer Weichkäse und je nach Reifegrad mal cremiger, mal fester.

KASSERI: Ich gehöre zu den halbharten Käsesorten.

„Und wie hoch ist euer Fettgehalt?“

FETA: Meistens liegt er zwischen 20 und 24 Prozent.

KASSERI: Ich habe einen Fettgehalt von etwa 24 bis 45 Prozent und schmecke dadurch etwas milder und vollmundiger als mein Kollege.

„Und wie werdet ihr hergestellt? Seid ihr überhaupt reif genug für meinen Geschmack?“

FETA: Wenn du besonders reifen Käse magst, bin ich vielleicht nicht die erste Wahl für dich. Ich reife in Salzlake und bleibe bis kurz vor dem Verzehr am liebsten darin. Traditionell werde ich in Holzfässern hergestellt dann nennt man mich Fassfeta. Heute setzen viele Produzenten allerdings auf Edelstahltanks.

KASSERI: Da sind wir unterschiedlich. Ich muss mindestens drei Monate reifen bei einer Temperatur von höchstens 18 °C. Natürlich kann ich auch deutlich länger lagern. Je länger ich reife, desto würziger und aromatischer werde ich.

„In Griechenland seid ihr beide sehr beliebt. Aber wie sieht es im Ausland aus?“

FETA: Meinen Bekanntheitsgrad kannst du vielleicht mit einer berühmten Griechin vergleichen Maria Callas. Ich stamme zwar aus Griechenland, bin aber in der ganzen Welt zu Hause. Früher wurde der größte Teil meiner Produktion in Griechenland konsumiert. Heute werde ich in viele Länder exportiert und bin einer der bekanntesten griechischen Botschafter überhaupt.

KASSERI: So berühmt wie Feta bin ich noch nicht. Meistens stehe ich im Schatten meines Kollegen. Aber immer mehr Feinkostgeschäfte und Käsetheken entdecken mich. Wer mich einmal probiert hat, kommt meistens wieder.

„Ich weiß, dass Käse in Griechenland nicht nur aufs Brot kommt, sondern in der Küche eine große Rolle spielt. Wie kann man euch genießen?“

FETA: Mein frischer, leicht säuerlicher Geschmack macht den klassischen griechischen Bauernsalat erst komplett. Außerdem bin ich die wichtigste Zutat vieler Tyropitas, der beliebten Käsepasteten. Auch als Saganaki aus der Pfanne schmecke ich hervorragend – pur oder paniert.

Besonders im Norden Griechenlands bin ich die Hauptzutat von Bougiourdi. Zusammen mit Tomaten, Olivenöl und scharfem Paprika werde ich im Ofen zu einer herrlich cremigen Vorspeise. Natürlich darf ich auch in der Tyrosalata, dem würzigen Käse-Dip, nicht fehlen.

Und wusstest du, dass viele Griechen im Sommer Wassermelone zusammen mit Feta essen? Die Kombination aus süß und salzig schmeckt einfach fantastisch.

Ob Vorspeise, Hauptgericht oder Salat mit mir kannst du unzählige Gerichte verfeinern.

KASSERI: Ich bin etwas zurückhaltender als Feta, aber mindestens genauso vielseitig. Zum Frühstück findest du mich oft in einer Kasseropita. Außerdem eigne ich mich hervorragend für Pizza, Toasts und Sandwiches, denn ich schmelze wunderbar.

Auch für Aufläufe bin ich ideal. Ich liebe Hitze und bilde eine herrlich goldbraune, aromatische Kruste.

Wenn ich allerdings gut gereift bin, wäre es fast schade, mich zu erhitzen. Dann genießt man mich am besten bei Zimmertemperatur – zusammen mit Feigen, Trockenfrüchten, etwas Kastanienhonig oder Quittenmarmelade.

Na, wie sieht’s aus? Gibst du mir eine Chance?

Der Mann lächelt, sagt kein Wort und geht weiter. In seinen Händen hält er zwei Packungen – eine mit Feta und eine mit Kasseri.

„Feta oder Kasseri? Eigentlich ist die Entscheidung ganz einfach“, denkt er.

„Man nimmt einfach beide.“