- Herr Below Sie kennen Griechenland sehr lange und sehr gut. Wann kamen Sie zum ersten Mal nach Griechenland und was war Ihr erster Eindruck?
1973 / Korfu. Eine wunderbare Insel, damals (noch) sehr ursprünglich mit herzlichen, gastfreundlichen Bewohnern bzw. Gastgebern – obwohl das ja noch zur Junta-Zeit war…
- Und Ihr erster Kontakt mit der griechischen Küche? Der erste Schluck griechischen Weines? Können Sie sich daran erinnern?
Das war in den 60er Jahren in Frankfurt, ich war damals beim Hessischen Rundfunk. In meiner Nachbarschaft eröffnete ein griechisches Lokal. Ich fand die griechische Hausmannskost würzig und äusserst schmackhaft. Zum Wein – ganz ehrlich: Damals musste man, zumindest in Deutschland, guten griechischen Wein suchen. Es gab üblicherweise Demestica und Retsina…
- Wie hat sich Griechenland in all diesen Jahren gastronomisch und weinmäßig entwickelt?
Diese Frage möchte ich in 3 Teilen beantworten:
Die griechische Küche in Deutschland entwickelt sich langsam aber konstant weiter. Ganz anders die Bemühungen der griechischen Gastronomie IN Griechenland. Hier gibt es inzwischen überall im Land auch international hochdekorierte Köche und Restaurants. Gerade jüngere Gastronomen, besonders in Städten und nicht touristischen Gebieten, gehen neue Wege, meist mit traditionellen, oft regionalen Produkten. Erwähnen möchte ich unbedingt das Sani Gourmet Festival, das seit einigen Jahren in phantastischer Art und Weise die neue griechische Küche international bekannt macht. Meine Frau (Prof. an der Deutschen Journalistenschule) und ich haben darüber auch eine Reportage geschrieben.
Was den Wein anbelangt, muss ich als erstes sagen, dass ich quasi mit Wein aufgewachsen bin. D.h. Wein gehört für mich zum Leben! Für mich ist die Geschichte des Weines eine Geschichte der Zivilisation. Bis Anfang der 90er Jahre eine neue Winzergeneration z.B. Gerovassiliou, Lantides, Costa Lazaridi, Tselepos von ihrem Studium aus dem Ausland (Frankreich, Italien, Kalifornien) zurückkehrte, lief die Weinproduktion nach dem System “trial and error”… Seit ca. 2000 gibt es zunehmend Weinmacher – von Kreta bis Makedonien, vom Norden bis zum Süden – die solide, schmackhafte Weine produzieren. Eine Entwicklung in zwei Punkten beobachte ich mit Ausnahme einiger “Highlights” seit 2010: Gerade bekannte Hersteller ruhen sich auf ihren Anfangserfolgen aus – und das, obwohl weltweit die Weinproduktion zunimmt… Der zweite Punkt ist, dass sich der griechische Weinmarkt gegen internationale Produkte abschottet und daher auch der qualitativ hochwertige griechische Wein in Griechenland vergleichsweise teuer angeboten wird.
- Sie teilen Ihr leben nun zwischen Griechenland und Deutschland. Was vermissen Sie von Griechenland wenn Sie in Deutschland sind und was aus Deutschland wenn Sie in Griechenland sind?
Was ich schon immer in Griechenland geliebt habe – und nach wie vor genieße – ist die Entschleunigung. Die wünschte ich mir oft auch in Deutschland. Außerdem fehlen mir in Deutschland meine griechischen Nachbarn und Freunde, zum Glück bin ich auch in München in regelmäßigem Kontakt mit der griechischen Gemeinde und habe selbstverständlich auch da griechische Freunde.
Auch das Dorfleben in Paliouri fehlt. In Griechenland fehlen mir die deutschen Nachbarn und Freunde, die täglichen Deutschen Zeitungen… sonst eigentlich nichts

- Was führt einen wie Sie eigentlich von der Kriegsberichterstattung zu Dokumentarfilmen über griechischen Wein und Rebetiko-Musik?
Das möchte ich richtigstellen: Ich war und bin politisch-wirtschaftlicher Fernsehkorrespondent für Süd-Ost-Europa, mit Schwerpunkt Griechenland. Durch den sogenannten Jugoslawien-und Kosovokrieg wurde ich zum Kriegskorrespondenten.
Danach konnte ich mich wieder überwiegend meinem Lieblingsland, Griechenland, seiner Geschichte, seinen Menschen und deren Geschichten widmen.
- Ihr griechisches Lieblingsgericht?
Oh, da gibt es einige: Ich liebe gegrillten Fisch wie z.B. Lavraki und Sinagrida, Midia saganaki, Stifado, Kolokithokeftedes, …
- Und welche Weine aus Griechenlands sollten unsere Leser Ihrer Meinung nach unbedingt probieren?
Lantides: Moscofilero (weiß) und Agiorgitiko (rot)
Papajoannou: Agiorgitiko, beide Nemea
Costa Lazaridi, den ich langfristig für den besten, weil zuverlässigsten, Weinmacher Griechenlands halte…: Amethystos weiß und rot, aber auch seine internationalen Sorten wie Syrah, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Weiters die Weine von Gaia und Kir Yanni, Techni Alipias und Avantis… Es gibt aber z.B. sehr guten Savatiano und Assyrtiko vom Weingut Pappagiannakos…
- Die politischen Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland scheinen sich zu normalisieren. Was ist Ihr Fazit über diese Zeit und welche Message möchten Sie diesbezüglich sowohl den griechischen als auch den deutschen Lesern übermitteln? Kann Wein und Essen verbinden?
Natürlich können Wein und Essen – im Idealfall beides sehr gut – verbinden, weil man dabei trefflich intensive Gespräche führen kann.
In aller Klarheit: Die wirtschaftliche Situation Griechenlands ist ursprünglich selbstverschuldet. Allerdings sind die Maßnahmen gegen Griechenland durch EU und IWF ohne Perspektive und treffen ausschließlich das Volk. Insofern bin ich auch nicht einverstanden mit der deutschen Politik, was Griechenland anbelangt. Ich bin der Überzeugung, dass Griechenland selber das Krebsgeschwür der Korruption massiv bekämpfen muss, weil es u.a. eine Gefahr für die Demokratie ist.
Wenn Griechenland wirklich geholfen werden soll, dann braucht es eine Art “Marshall-Plan”, selbstverständlich auf Griechenland abgestimmt – und daran arbeite ich u.a. mit Seminaren für politische Stiftungen in Deutschland. Was ich, gerade vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung in Griechenland, mit Besorgnis sehe, ist die große Kluft zwischen Arm und Reich – zwischen dem Volk und den Oligarchen. Ich bewundere, wie meine griechischen Freunde mit der Situation umgehen – und bemühe mich immer noch, davon zu lernen.

